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Panther


Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?  Psalm 139, 7

Lange her seit der Erstbegegnung mit Rainer Maria Rilke irgendwann in der Schule.
Ich sah den Panther hinter Gittern vor mir.
Sein Fell, seine Krallen und Zähne.
Letzte Woche holte es mich wieder ein.
Als Isolationsgedicht.
Ich schaue dem Panther in die Augen
und aus ihnen schauen die Menschen zurück,
die mir in den letzten Tagen ihre Langeweile oder Einsamkeit geklagt haben.
Längst genug herumgetigert (herumgepanthert, wenn mans genau nimmt).
Der ,grosse betäubte Wille’ träumt vom ,Bündelitag’.
Manchmal könnte man in die Stäbe beissen.
Kyrie eleison.

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein grosser Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.       Aus: Neue Gedichte (1907)

philipp.roth@erk-bs.ch
Kirchgemeinde Kleinbasel

 

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