Direkt zum Hauptbereich

Körperkirche

Allezeit tragen wir
das Sterben Jesu
an unserem Leib,
damit auch das Leben Jesu
an unserem Leib offenbar werde.
2. Kornther 4, 10

Körperloses Gottesdienstfeiern.
Gestern ökumenisch kleinbaslerisch.
Die Kirche bis an den aktuellen Coronarand gefüllt.
50 Personen.
Das Glück einer ,vollen' Kirche.
Der Schmerz einer körperlosen Gemeinschaft:
kontaktlos und gesanglos. 

Ein Gedicht von Kurt Marti geht mir durch den Sinn.

körperkirche

die kirche
des geistes
sind unsere körper
(schrieb der epileptiker
einst nach korinth)
darum dann:
umarmungen küsse
und heilige mähler
erst später:
kirchen aus stein

(Die Liebe geht zu Fuss. Ausgewählte Gedichte, Zürich 2018)

Am kommenden Sonntag würde der vor voer Jahren Verstorbene 100 Jahre alt.
(Mit dem Epileptiker meint der Paulus, 1. Korinther 12, 12-31).
,Zärtlichkeit ist eine der Töchter Gottes', schrieb er mal.
Sie äussert sich in Begegnung, Diakonie und Gemeinschaft,
wortlos,
doch liedvoll, mahlreich, kontaktfreundlich.
Die Pandemie hat diese Tochter in Quarantäne gesteckt.
Nach einem Jahr fehlt sie sehr.

In einem Aufsatz stosse ich auf ein paar Verse aus dem frühchristlichen Diogenetbrief aus dem 2. Jahrhundert.
Er stellt die Kirche nochmals in einen anderen körperlichen Zusammenhang.
Und unser gestriges Feiern in einen weltweiten.

Um es kurz zu sagen:
Was die Sele im Körper ist,
das sind die Christen in der Welt.
Die Seele ist über den ganzen Körper verteilt
und die Christen über alle Städte der Welt.
Die Seele wohnt im Leib,
aber sie hat dort nicht ihren Ursprung.
Und die Christen leben in der Welt,
aber sie haben dort nicht ihren Urspung.

(Diogenetbrief 6, 1-3)

Die Bezogenheit von body and soul festhalten und erinnern.
Und wenn es aktuell vor allem Schmerz ist.
Das,  was Jesus beim Abendmahl zur Aufgabe macht,
in der Nacht, bevor sein gefolterter Körper vollends zum Ausdruck seine Seele wird -
der Liebe Gottes für die Welt.
,Das tut zu meinem Gedächtnis.' (Lukas 19, 20; 1. Korinther 11, 24.25)

Ein besondere Art des Schmerzgedächtnisses.
Ein besonderer Ort und eine besondere Aufgabe
des gemeinsamen Christseins
heute.

philipp.roth@erk-bs.ch
Kirchgemeinde Kleinbasel

 




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Schwergläubig

In diesem Leben können wir ja nur an Gott glauben , wir können ihn noch nicht sehen.  2. Korinther 5, 7 Ich bin ein Schwergläubiger. Die Leichtgläubigen glauben leichter an Wunder und Willen, Hoffnung und Heilung, Geist und Gericht. Jungfrauengeburt, Christkind, Santaclaus? Easy, Lord. Konzepte wie das Gute im Menschen und das Böse im Menschen nehmen sie leicht. Auch das Reich des Guten und des Bösen. Patriotismus. Kommunismus. Weltmission. Verschwörungstheorie. Wirklichkeit - faktisch alternativ. Ich bin ein Schwergläubiger. Die Leichtgläubigen glauben zu wissen, was sie wissen. Und sind dann sicher: Das ist zu tun. Die Schwergläubigen glauben zu wissen, dass sie nichts wissen. Und sind dann nie sicher, ob das, was sie tun, wirklich das Beste ist. Ich bin ein Schwergläubiger. Kann manchmal kaum glauben dass ich glaube. Und dich glaube, das ist gut. Für die Leichtgläubigen ging Jesus übers Wasser. Für die Schwergläubigen ging Jesus ans Kreuz. Und auch das ist manchmal schwer zu g...

liedlos glücklich?

Tragt euch gegenseitig Psalmen und Hymnen und geistliche Lieder vor. Singt für den Herrn und preist ihn aus vollem Herzen !  Epheser 5, 19 Ich warte gerne mit einem Blog, bis sich die Gedanken etwas gesetzt und geklärt haben. Diesmal gelingt es nicht. Ab Pfingsten dürfen wir uns wieder in der Kirche zum Gottesdienst versammeln. Noch ist nicht entscheiden, wie das bei uns konkret aussehen wird. Noch ist auch nicht entschieden, ob das, was dann stattfinden kann, sich annähernd so anfühlen wird, wie das, was mal war. ,Der Weg zurück ist schwieriger als der Weg heraus,' ist bereits ein geflügeltes Wort. Und in unserem Fall ist das ,zurück' hauptsächlich örtlich zu verstehen. Von der E-Church geht es wieder in die Reality-Church. Darauf freue ich mich. Auf die analogen Begegnungen, das Grüssen, in die Augen schauen und ins Gesicht sagen. Einander gegenüberstehen und sich spüren. Und auf das direkte Miteinander in unseren schönen, erinnerungsgetränkten Gemeinschaftsräumen, man...

Panther

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?  Psalm 139, 7 Lange her seit der Erstbegegnung mit Rainer Maria Rilke irgendwann in der Schule. Ich sah den Panther hinter Gittern vor mir. Sein Fell, seine Krallen und Zähne. Letzte Woche holte es mich wieder ein. Als Isolationsgedicht. Ich schaue dem Panther in die Augen und aus ihnen schauen die Menschen zurück, die mir in den letzten Tagen ihre Langeweile oder Einsamkeit geklagt haben. Längst genug herumgetigert (herumge panther t, wenn mans genau nimmt). Der ,grosse betäubte Wille’ träumt vom ,Bündelitag’. Manchmal könnte man in die Stäbe beissen. Kyrie eleison. Im Jardin des Plantes, Paris Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitt...