Direkt zum Hauptbereich

Verlieren lernen

Siegen ist schwer. Man muss alle anderen schlagen.
Verlieren ist noch schwerer. Man muss sich selber schlagen.
Das ist eine der wichtigsten Lektionen, die Kinder beim Spielen lernen.

Der noch USA- Präsident möchte uns noch ein letztes Mal zeigen, was er in seiner Kinderstube nicht gelernt hat.

In einer Diskussion über Corona hörte ich kürzlich die Aussage, Menschen, die zu Verschwörungen greifen, seien ,überforderte Empiriker'. Sie verliessen sich ganz auf ihre Erfahrungen und Kenntnisse. Was sich damit nicht erfassen liesse, würde deshalb mit dem einfachsten Muster darüber erklärt. Das sei dann der Deep State, die Medien, Bill Gates oder was immer - auf jeden Fall eine Macht, die aus dem dunklen Urgrund ihrer Ängste und Befürchtungen wächst. (,Wem traust Du alles zu?' ,Eben!')

Ich staune einmal mehr, dass das Symbol des absoluten Scheiterns - das Kreuz - das Herzstück des christlichen Glaubens ist. Es gibt immer wieder Versuche, es zu einem Triumphzeichen zu erklären. Anfällig dafür sind vor allem 'the winner takes it all'-Kulturen wie die Evangelicals in den USA oder autoritäre Machtsysteme wie das mittelalterliche Kaisertum (Kreuzzüge) oder Papsttum. 

Doch die wahre Grösse des Menschen Jesus von Nazareth zeigt sich nicht im Triumph, sondern in der Liebe zu den Menschen und in seinem Glauben an das ,Reich Gottes', für den er mit Leib und Leben einsteht - bis zum absoluten Scheitern auf dem Hinrichtungshügel Golgota.

Philipp Roth

philipp.roth@erk-bs.ch
Kirchgemeinde Kleinbasel


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Familie in Zeiten der Quarantäne (Gastbeitrag Sabine Mäurer)

Sabine Mäurer sitzt gerade an ihrer Masterarbeit in Theologie über eine Jesusgeschichte, die auch die Familie thematisiert. Sabine Mäurer ist Mitglied unserer Kirchgemeinde. E r zeigte mit seiner Hand auf seine Jünger und sagte: Das sind meine Mutter und meine Brüder (und meine Schwestern). Matthäus 12, 49 Was mich in diesen Tagen beschäftigt? Schon vier Wochen bevor der Bundesrat die "ausserordentliche Lage" verordnet hat, befinde ich mich in einer "persönlich ausserordentlichen Lage": Ich nenne sie meine "Schreibtisch-Quarantäne". Meine Abschlussarbeit ist der Grund dafür: Ein kleiner Passus im Matthäusevangelium (Mt 12,46-50) mit der Überschrift " Jesu wahre Familie" beschäftigt mich. Ehrlich gesagt, beisse ich mir ein wenig die Zähne daran aus. Aber Stopp: In der Quarantäne – nicht jammern, positiv nach vorne schauen. Das lässt der Astronaut Alexander Gerst in den social media verlauten. Er sollte Bescheid wissen, hat er doch All-Ein...

Alles was Odem hat

Alles, was Atem hat, lobe den Herrn . Hallelujah.  Psalm 150, 6 9330 Menschen tun das, Stand heute, nicht mehr. Allein in der Schweiz. Allein wegen Covid-19. Am Freitag jährte sich der erste Pandemie-Todesfall in unserem Land. Die Glocken läuteten. Manche hielten inne und sprachen ein Gebet. Ein trauriger Moment in einer nervösen Zeit. ,Atem' steht in vielen Sprachen und Religionen für das Leben selbst. Das Virus, das die Welt ,in Atem hält', nimmt den Menschen tatsächlich diesen. Es greift die Lungen an.  Der Gedanke, dass die Pandemie im gleichen Jahr erschien, als George Floyd mit den Worten 'I can't breathe' unter Polizeigewalt starb, berührt mich jedesmal, wenn er mir kommt. Es begann mit den Buschfeuern in Australien, das unzählige Lebewesen erstickte und Menschen hustend in Seen trieb, um dem gleichen Schicksal zu entgehen. In Brasilien brannten Wälder und Grasland mit viel klareren Ursachen. Und in Californien trieben Feuer und Wind Rauch und Asche tausende ...

Traummaschine

  Da sagte der Vater zu ihm: ›Mein lieber Junge, du bist immer bei mir. Und alles, was mir gehört, gehört auch dir. Aber jetzt müssen wir doch feiern und uns freuen. Lukas 15, 31f Vor Weihnachten. Anstehen mit Abstand. In der Freien Strasse lange Schlangen vor dem Louis Vuitton Shop, dem New Yorker und dem Apple Store. Wofür bin ich bereit, wie lange zu warten? Ich reihe mich in die Reihe vor den Fotoautomaten ein. Es stehen gleich mehrere Geräte nebeinander. Man lädt seine Bilder vom Handy oder einem Speichermedium auf den Bildschirm, wählt aus und startet die Bestellung. Und wartet. Im Minutentakt spuckt die Maschine die Bilder aus. Beschleunigen geht nicht. Ein Clique junger Frauen bringt sich selbst auf Weihnachtskarten. Bilder vom Strand und in Abendkleidung. Ein junger Mann war schon an einem Gerät, als ich kam. Und ist es auch noch, als ich gehe. Er scheint Vater geworden zu sein. Das neugeborene Wunder und seine Mutter in allen Varianten. Maria mit Kind 2.2. Wundern so...