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Dichtes Gedränge


Daran will ich denken und mich in meiner Seele erinnern, dass ich einherging in dichtem Gedränge, mit ihnen ging zum Haus Gottes mit lautem Jubel und Dank in feiernder Menge.  Psalm 42, 5

Nun ist das social distancing auch in den Träumen angekommen. Es muss ein Geburstagsfest gewesen sein. Oder eine Silvesterparty. Es war spät und draussen war es kalt. Am Buffet wurde gequatscht und sämtliche Sitzgelegenheiten waren besetzt. Manche sassen auf dem Boden oder standen in der Küche.

Wie lange ist es her, seit ich das das letzte Mal erlebte? Ich liebe solche open houses, solche nicht choregraphierten Parties. Kommt einfach. Müsst nichts mitbringen. Oder einfach, was ihr habt. Es hat genug. Hauptsache zusammensein. Eines Blase Sorglosigkeit am Freitagabend. Man kommt und geht. Und so, wie man's macht und wie es ist, ist es gut. Nicht Etikette, Personen sind die Hauptsache.

Die Erinnerung an dieses Glück muss irgendwo in meinem Unterbewusstsein erwacht sein. Die Sehnsucht danach. Wenn es schon nicht möglich ist, zu erleben, dann wenigstens davon träumen. Doch als ich am Morgen erwachte, erinnerte ich mich vor allem daran, wie mir im Traum die fehlenden Abstände aufgefallen waren. Ich hatte das Bedürfnis gehabt, genug Abstand zu nehmen, zu lüften oder raus auf den Balkon zu gehen. (Die fehlenden Masken waren komischerweise kein Thema...) Es war mir alles zu stickig und zu eng gewesen. Der Pandemiologe in mir hatte übernommen. Vermutlich eilfertig sekundiert vom Siziopathen oder Klaustrophobiker, der auch irgendwo steckt. Man ist ja bekanntlich viele. Das spürt man in diesen Zeiten besonders.

Es ist kein Zufall, dass das Glück im Leben auch mit Fülle umschrieben wird. Und dass zu dieser Fülle nicht nur der üppig gedeckte Tisch, sondern auch die Menschenfülle gehört. Das Gedränge auf der Herbstmesse. La Ola im Stadion. Das Sardinenbüchsengefühl vor dem Morgestraich. Der Demonstrationszug auf der mittleren Brücke. Das Gewusel in der Badi. Die hüpfende Menge am Bühnenrand. Als Menschen erleben wir gerade auch dann Fülle, wenn wir uns nicht zusammen nehmen, sondern entgrenzen. Wenn nicht mehr so klar ist, was ist nun Ich und was Du und was ist vor allem Wir.

Etwas erschrecke ich darüber, dass das Virus nun sogar meine Träume infiziert hat.
Und dann träume ich von der Zeit, in der auch die jetzige Distanzrealität nur ein ferner Traum gewesen sein wird.

Sie kommt. Am kommenden Sonntag beginnt die Adventszeit.

Philipp Roth

philipp.roth@erk-bs.ch
Kirchgemeinde Kleinbasel

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