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Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben

 

In Rainer Maria Rilkes schönem Gedicht ‘Herbsttag’ ist die letzte Strophe grausam und schrecklich aktuell:

,Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben /wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben /
und wird in den Alleen hin und her / unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.’

Isolation ist zu einem gesundheitspolitischen Werkzeug geworden und beschreibt doch zuerst und vor allem eine menschliche Not. (In Gefängnissen ist Isolation eine Verschärfung der Haft.)

Es bedrückt mich, dass die sich abzeichnenden notwendigen neuen Corona-Massnahmen die Isolation der Einsamen weiter verstärken werden.
Besuchsverbot im Altersheim. Homeoffice im Singlehaushalt. Onlineuni für die beziehungshungrigen Erwachsenwerdenden. Sport- und Tanzverbot für die ohnehin Bewegungsarmen…

Es ist mir wichtig, umso mehr einander und anderen Kirchenfamilie und Menschenverbundenheitsnetz sein zu können.

Franziska Kuhn, meine Kleinbasler Pfarrkollegin, lässt mir ein Schutzplakat ,für die Seele’ zukommen. Ich hefte es mir an die Herzenstür. Anti-isolationistische Zeichen sind jetzt wichtiger denn je. Gemeinde ist zutiefst anti-isolationistisch. Und freue mich auf jede kommende Begegnung diese Woche – vor Ort oder vermittelt.

Philipp Roth

philipp.roth@erk-bs.ch
Kirchgemeinde Kleinbasel

 

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