Direkt zum Hauptbereich

wieder sehen lernen

Seht euch die Vögel an!  Matthäus 6, 26

Welch prächtiger Auffahrtstag! Vielleicht gar nicht so falsch, dass Nachbarn aus Deutschland, gewohnt, den Tag ,Christi Himmelfahrt' zu nennen, in der Schweiz zunächst oft ,Ausfahrt' statt ,Auffahrt' hören. Es zieht hinaus. Man fährt, geht, wandert in die Weite. Ins satte Grün, ans frische Wasser, unter den offenen Himmel. Und nach den vergangenen Wochen tut man das nach wie vor gierig, als käme man aus einem stickigen Keller und entdecke die Welt neu wie ein Kind.

Es geht mir durch den Kopf, wie auf die Frage, was er denn aus dieser Zeit mitnehme, ein Eishockeytrainer zu meiner Überraschung sagte: Man weiss nun wieder, wie Rosen riechen. Ich sehe nochmals den Schwalbenschwanz von letzter Woche auf Balkonhöhe an mir vorbeitanzen. Und vefolge aus dem vorbeifahrenden Zug einen Storch in die stille Einkaufsstrasse einer Kleinstadt eintauchen wie ein Delphin in klares Wasser.

Ich meinem Wochenendnest angekommen, lese ich eine paar Seiten im einem Buch, das eine Freundin in einer Untertstützungsaktion für eine kleine Buchhandlung in einem Überraschungspaket mich ausgesucht hat. (Danke, B!) Der Überautor und Feinstbeobachter Marcel Proust (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) hat es der Autorin angetan.
Religio bedeutet ursprünglich ,rücksichtliche Beachtung, auf einem inneren Gefühl beruhende Sorgfalt und Genauigkeit'. Nicht nur in diesem Sinn war Proust ein religiöser Mensch. Im einem Brief geht einem Verweis auf das Jenseits der Satz voraus: ,Ein wenig Wissenschaft entfernt von Gott, viel Wissenschaft führt zu ihm zurück'. Wie der von ihm bewunderte weise Erforscher der Grabwespe J.-H.Fabre, hätte er sagen können: ,Ich glaube nicht an Gott - ich sehe ihn!' (Anita Albus, Käuze und Kathedralen, S. 47)
Himmelfahrt zieht in die Weite und zieht Weitgerücktes wieder ganz in die Nähe. Es offenbart sich Unsichtbares. Und bindet mich zurück - re-ligare.

Philipp Roth


E-Church:
Gottesdienst am Sonntag, 24.5, 10:00, aus der Dorfkirche Kleinhüningen:
...wie auch wir vergeben unsern Schuldigern
Mit Pfr. Bernhard Joss u.a.

Sämtliche bisherigen Gottesdienste, THEODORli, Taizé-Gebete, Kirchenfenster etc. finden sich auf unserem Youtube-Kanal der Kirchgemeinde Kleinbasel.

-> Die Gottesdienste können auch beim Sekretariat auf USB bezogen und auf dem TV geschaut werden. Ein Angebot für alle, die nicht Online sind: Senior*innen, Nachbarn, Eltern... Bitte mithelfen! 061 681 37 88 / eveline.michel@erk-bs.ch


Einander im Ohr: Mit unserer Playlist kann man hören, was andere dieser Tage hören. Und es hat noch Platz für weitere Stücke der Stunde. Durchgeben an philipp.roth@erk-bs.ch


Alle Infos, Kontaktdaten und Angebote der Kirchgemeinde immer aktuell hier.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Schwergläubig

In diesem Leben können wir ja nur an Gott glauben , wir können ihn noch nicht sehen.  2. Korinther 5, 7 Ich bin ein Schwergläubiger. Die Leichtgläubigen glauben leichter an Wunder und Willen, Hoffnung und Heilung, Geist und Gericht. Jungfrauengeburt, Christkind, Santaclaus? Easy, Lord. Konzepte wie das Gute im Menschen und das Böse im Menschen nehmen sie leicht. Auch das Reich des Guten und des Bösen. Patriotismus. Kommunismus. Weltmission. Verschwörungstheorie. Wirklichkeit - faktisch alternativ. Ich bin ein Schwergläubiger. Die Leichtgläubigen glauben zu wissen, was sie wissen. Und sind dann sicher: Das ist zu tun. Die Schwergläubigen glauben zu wissen, dass sie nichts wissen. Und sind dann nie sicher, ob das, was sie tun, wirklich das Beste ist. Ich bin ein Schwergläubiger. Kann manchmal kaum glauben dass ich glaube. Und dich glaube, das ist gut. Für die Leichtgläubigen ging Jesus übers Wasser. Für die Schwergläubigen ging Jesus ans Kreuz. Und auch das ist manchmal schwer zu g...

liedlos glücklich?

Tragt euch gegenseitig Psalmen und Hymnen und geistliche Lieder vor. Singt für den Herrn und preist ihn aus vollem Herzen !  Epheser 5, 19 Ich warte gerne mit einem Blog, bis sich die Gedanken etwas gesetzt und geklärt haben. Diesmal gelingt es nicht. Ab Pfingsten dürfen wir uns wieder in der Kirche zum Gottesdienst versammeln. Noch ist nicht entscheiden, wie das bei uns konkret aussehen wird. Noch ist auch nicht entschieden, ob das, was dann stattfinden kann, sich annähernd so anfühlen wird, wie das, was mal war. ,Der Weg zurück ist schwieriger als der Weg heraus,' ist bereits ein geflügeltes Wort. Und in unserem Fall ist das ,zurück' hauptsächlich örtlich zu verstehen. Von der E-Church geht es wieder in die Reality-Church. Darauf freue ich mich. Auf die analogen Begegnungen, das Grüssen, in die Augen schauen und ins Gesicht sagen. Einander gegenüberstehen und sich spüren. Und auf das direkte Miteinander in unseren schönen, erinnerungsgetränkten Gemeinschaftsräumen, man...

Panther

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?  Psalm 139, 7 Lange her seit der Erstbegegnung mit Rainer Maria Rilke irgendwann in der Schule. Ich sah den Panther hinter Gittern vor mir. Sein Fell, seine Krallen und Zähne. Letzte Woche holte es mich wieder ein. Als Isolationsgedicht. Ich schaue dem Panther in die Augen und aus ihnen schauen die Menschen zurück, die mir in den letzten Tagen ihre Langeweile oder Einsamkeit geklagt haben. Längst genug herumgetigert (herumge panther t, wenn mans genau nimmt). Der ,grosse betäubte Wille’ träumt vom ,Bündelitag’. Manchmal könnte man in die Stäbe beissen. Kyrie eleison. Im Jardin des Plantes, Paris Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitt...