Denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn darum bittet. Matthäus 6, 8
Ein Interview zum Tag des Kriegsendes vor 75 Jahren mit Klaus von Dohnanyi. Heute 92 Jahre alt. Einst Bürgermeister von Hamburg.
Seine Mutter war die Schwester von Dietrich Bonhoffer. Sein Vater mit diesem im Widerstand. Zwei Jahre vor Kriegsende wurden Vater und Mutter am gleichen Tag verhaftet. Für den 15-jährigen war die Kindheit mit einem Schlag zu Ende. Im April 1945 wurde der Vater im KZ Sachsenhausen hingerichtet - praktisch zeitgleich mit Dietrich Bonhoeffer.
Nach der Kapitulation fuhr Klaus mit seinem Fahrrad quer durchs zerstörte Deutschland, auf der Suche nach Überlebenden und nach einem Ort, um neu zu beginnen.
„Dieser Schmerz, diese Trauer – das alles geht nie an einem vorbei“, sagt Dohnanyi. Und dann, noch im gleichen Atemzug: „Aber das mit dem Leben ist eine erstaunliche Sache. Die Jugend will leben. Jedes Leben hat seine eigene Kraft, insofern lebt man trotz dieses Schmerzes aus der eigenen Kraft weiter.“
Manche vergleichen dies gegenwärtige Lage mit derjenigen damals. Die Wirtschaftsauguren gehen gerne noch ein paar Jahre weiter zurück und zitieren die grosse Depression anfangs der 30er Jahre. Manchmal hab ich den Eindruck, dass diese Vergleiche einer eigentümlichen Lust folgen. Der Lust, die eigene Zeit mit anderen Zäsuren der Weltgeschichte zu verbinden, und mit den gegenwärtigen Sorgen und der allgemeinen Betroffenheit in den noch viel weiteren und tiefern Ozean bisheriger ,Krisen' einzutauchen. Es beschleicht mich ein unangenehmes Gefühl. Endlich dürfen wir auch mit Recht Leid tragen...
Ich gehe auf die Strasse. Viele sind fröhlich. Auch wenn ich weiss, dass manche von Existenzsorgen geplagt werden: Die medialen Kummerfalten treffe ich selten in den Gesichtern an. Jedenfalls nicht bei uns.
Beim Durchstöbern meiner Lyrikbibliotthek blieb ich letzte Woche bei einem kurzen Gedicht von Rainer Kunze hängen. Seither liegt der Band offen auf meinem Pult.
FAST EIN GEBET
Wir haben ein Dach
und Brot im Fach
und Wasser im Haus
da hält man's aus.
Und wir haben es warm
und haben ein Bett.
O Gott, dass doch jeder
das alles hätt'!
Im Bericht vom Kriegsende war noch von einem Priester in Berlin Neu-Kölln die Rede, der am Tag der Kapitulation, 8. Mai 1945, erschlagen wurde. Er war immer nah bei den Menschen und voller Zuversicht. Der heutige Priester der Kirche das Lebensmotto seines Vorgängers: Mut ist Angst, die gebetet hat.
Philipp Roth
E-Church:
Diese Woche wie in den verangenen: Taizé-Gebet (Di, 18:00), THEODORli (Mi, 17:30), Kirchenfenster (Do,18:30).
Sowie als Besonderheit ein UMSTEIGEN online am Mittwoch, 18:00: Im Aufnahmezustand. Mit Musik von J.s.Bach und César Franck und Gedichten von J. Wagner, Erich Kästner und Michael Ende. Nicoleta Paraschivescu, Orgel. Philipp Roth, Wort. Produktion. Rudolf Steiner.
Sämtliche bisherigen Gottesdienste, THEODORli, Taizé-Gebete, Kirchenfenster etc. finden sich auf unserem Youtube-Kanal der Kirchgemeinde Kleinbasel.
-> Die Gottesdienste können auch beim Sekretariat auf USB bezogen und auf dem TV geschaut werden. Ein Angebot für alle, die nicht Online sind: Senior*innen, Nachbarn, Eltern... Bitte mithelfen! 061 681 37 88 / eveline.michel@erk-bs.ch
Einander im Ohr: Mit unserer Playlist kann man hören, was andere dieser Tage hören. Und es hat noch Platz für weitere Stücke der Stunde. Durchgeben an philipp.roth@erk-bs.ch
Alle Infos, Kontaktdaten und Angebote der Kirchgemeinde immer aktuell hier.
Ein Interview zum Tag des Kriegsendes vor 75 Jahren mit Klaus von Dohnanyi. Heute 92 Jahre alt. Einst Bürgermeister von Hamburg.
Seine Mutter war die Schwester von Dietrich Bonhoffer. Sein Vater mit diesem im Widerstand. Zwei Jahre vor Kriegsende wurden Vater und Mutter am gleichen Tag verhaftet. Für den 15-jährigen war die Kindheit mit einem Schlag zu Ende. Im April 1945 wurde der Vater im KZ Sachsenhausen hingerichtet - praktisch zeitgleich mit Dietrich Bonhoeffer.
Nach der Kapitulation fuhr Klaus mit seinem Fahrrad quer durchs zerstörte Deutschland, auf der Suche nach Überlebenden und nach einem Ort, um neu zu beginnen.
„Dieser Schmerz, diese Trauer – das alles geht nie an einem vorbei“, sagt Dohnanyi. Und dann, noch im gleichen Atemzug: „Aber das mit dem Leben ist eine erstaunliche Sache. Die Jugend will leben. Jedes Leben hat seine eigene Kraft, insofern lebt man trotz dieses Schmerzes aus der eigenen Kraft weiter.“
Manche vergleichen dies gegenwärtige Lage mit derjenigen damals. Die Wirtschaftsauguren gehen gerne noch ein paar Jahre weiter zurück und zitieren die grosse Depression anfangs der 30er Jahre. Manchmal hab ich den Eindruck, dass diese Vergleiche einer eigentümlichen Lust folgen. Der Lust, die eigene Zeit mit anderen Zäsuren der Weltgeschichte zu verbinden, und mit den gegenwärtigen Sorgen und der allgemeinen Betroffenheit in den noch viel weiteren und tiefern Ozean bisheriger ,Krisen' einzutauchen. Es beschleicht mich ein unangenehmes Gefühl. Endlich dürfen wir auch mit Recht Leid tragen...
Ich gehe auf die Strasse. Viele sind fröhlich. Auch wenn ich weiss, dass manche von Existenzsorgen geplagt werden: Die medialen Kummerfalten treffe ich selten in den Gesichtern an. Jedenfalls nicht bei uns.
Beim Durchstöbern meiner Lyrikbibliotthek blieb ich letzte Woche bei einem kurzen Gedicht von Rainer Kunze hängen. Seither liegt der Band offen auf meinem Pult.
FAST EIN GEBET
Wir haben ein Dach
und Brot im Fach
und Wasser im Haus
da hält man's aus.
Und wir haben es warm
und haben ein Bett.
O Gott, dass doch jeder
das alles hätt'!
Im Bericht vom Kriegsende war noch von einem Priester in Berlin Neu-Kölln die Rede, der am Tag der Kapitulation, 8. Mai 1945, erschlagen wurde. Er war immer nah bei den Menschen und voller Zuversicht. Der heutige Priester der Kirche das Lebensmotto seines Vorgängers: Mut ist Angst, die gebetet hat.
Philipp Roth
E-Church:
Diese Woche wie in den verangenen: Taizé-Gebet (Di, 18:00), THEODORli (Mi, 17:30), Kirchenfenster (Do,18:30).
Sowie als Besonderheit ein UMSTEIGEN online am Mittwoch, 18:00: Im Aufnahmezustand. Mit Musik von J.s.Bach und César Franck und Gedichten von J. Wagner, Erich Kästner und Michael Ende. Nicoleta Paraschivescu, Orgel. Philipp Roth, Wort. Produktion. Rudolf Steiner.
Sämtliche bisherigen Gottesdienste, THEODORli, Taizé-Gebete, Kirchenfenster etc. finden sich auf unserem Youtube-Kanal der Kirchgemeinde Kleinbasel.
-> Die Gottesdienste können auch beim Sekretariat auf USB bezogen und auf dem TV geschaut werden. Ein Angebot für alle, die nicht Online sind: Senior*innen, Nachbarn, Eltern... Bitte mithelfen! 061 681 37 88 / eveline.michel@erk-bs.ch
Einander im Ohr: Mit unserer Playlist kann man hören, was andere dieser Tage hören. Und es hat noch Platz für weitere Stücke der Stunde. Durchgeben an philipp.roth@erk-bs.ch
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