Direkt zum Hauptbereich

in die cloud gehen

 ...und wurde zum Himmel emporgehoben. Lukas 24, 51

Auffahrt und Pfingsten stehen vor der Tür. Ich erinnere mich daran, dass ich vor ein paar Jahren für FESTE FEIERN! der reformierten Kirche Basel-Stadt dazu schrieb. Und wie ich dafür das Bild der dropbox und der cloud brauchte. Ob das mit der gegenwärtigen Lage unserer Kirche korrespondiert, durchs Versammlungsvberbot in den virtuellen Raum geschleudert?



Wie kann Materielles in Spirituelles übergehen, Konkretes allgemein werden? Wie kann historische Tatsächlichkeit sich in überzeitliche Wahrheit und Wirklichkeit verwandeln, die auch mir heute gegenwärtig ist?

Himmelfahrt und Pfingsten erzählen vom Übergang des Menschen Jesus von Nazaret in die allgegenwärtige Wirklichkeit des auferstandenen Christus. Sie tun das in den Vorstellungen der damaligen Zeit. (...)
Ich teile die damaligen Vorstellungen nicht mehr. Meine Welt ist keine Crèmeschnitte mit drei Schichten - Welt, Unterwelt, Himmel - in die man ab- und auffahren kann wie im neuen gläsernen Aufzug in der Migros. Doch ich teile den Glauben, dass unsere Wirklichkeit nicht die ganze Wirklichkeit ist. (...)
Vor einiger Zeit habe ich mir eine Dropbox eingerichtet. Auf meinem Computer ist meine Dropbox eine Schachtel. In sie kann ich zum Beispiel meine Ferienbilder stopfen. Wenn ich dann bei meiner Schwester zu Besuch bin, kann ich dort an einen Computer gehen oder auch mein Smartphone nehmen, mich bei meiner Dropbox anmelden, die Bilder aus der Schachtel holen und sie meiner Schwester zeigen.

Die Dropbox funktioniert über die cloud. So nennt man die Datenwolke im virtuellen Raum. Wenn ich meine Bilder in die Dropbox ziehe, sagt man mir, dann werde sie in die cloud hochgeladen. Sie werden also irgendwo auf der Welt in einem Server für mich gespeichert. Ich kann nun gehen, wohin ich will. Übers Internet kann ich die Dropbox öffnen und meine Dateien runterladen. Obwohl ich sie nicht bei mir habe, sind sie immer bei mir.

Die Etagenwelt ist nicht mehr mein Bild von Welt. Dafür gehört heute die virtuelle Realität selbstverständlich dazu. Sie hilft mir, die Verwandlung von Himmelfahrt und Pfingsten zu denken.

An Auffahrt geht Christus in die cloud. Er ist damit nicht weg. Im Gegenteil. Obwohl er nicht mehr da ist wie einst, ist er nun auf eine andere Weise immer da, wohin wir auch gehen, wo wir auch sind und wie es uns auch geht. Und Pfingsten? Vielleicht ist dann Pfingsten das, was man Streaming nennt: Ein Strom von der einen in die andere Wirklichkeit. (FESTE FEIERN!, TVZ 2015)
Ich bin überrascht, wie aktuell das klingt. Und freue mich noch mehr auf Auffahrt und Pfingsten - online.

Philipp Roth 

E-Church:
Diese Woche wie in den verangenen: Taizé-Gebet (Di, 18:00), THEODORli (Mi, 17:30).

Sowie zwei Gottesdienste:
- Do/Auffahrt, 21. 5., 10:00, aus der Theodorskirche, gemeinsam mit der luth. Kirche:
Zu weit für die Erde. Mit Pfr. Jörg Winkelströter, Philipp Roth, Francesco Capraro, Obeo u.a.
- So, 24.5., 10:00, aus der Dorfkirche Kleinhüningen: ...wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Mit Pfr. Bernhard Joss u.a.


Sämtliche bisherigen Gottesdienste, THEODORli, Taizé-Gebete, Kirchenfenster etc. finden sich auf unserem Youtube-Kanal der Kirchgemeinde Kleinbasel.

-> Die Gottesdienste können auch beim Sekretariat auf USB bezogen und auf dem TV geschaut werden. Ein Angebot für alle, die nicht Online sind: Senior*innen, Nachbarn, Eltern... Bitte mithelfen! 061 681 37 88 / eveline.michel@erk-bs.ch


Einander im Ohr: Mit unserer Playlist kann man hören, was andere dieser Tage hören. Und es hat noch Platz für weitere Stücke der Stunde. Durchgeben an philipp.roth@erk-bs.ch


Alle Infos, Kontaktdaten und Angebote der Kirchgemeinde immer aktuell hier.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Familie in Zeiten der Quarantäne (Gastbeitrag Sabine Mäurer)

Sabine Mäurer sitzt gerade an ihrer Masterarbeit in Theologie über eine Jesusgeschichte, die auch die Familie thematisiert. Sabine Mäurer ist Mitglied unserer Kirchgemeinde. E r zeigte mit seiner Hand auf seine Jünger und sagte: Das sind meine Mutter und meine Brüder (und meine Schwestern). Matthäus 12, 49 Was mich in diesen Tagen beschäftigt? Schon vier Wochen bevor der Bundesrat die "ausserordentliche Lage" verordnet hat, befinde ich mich in einer "persönlich ausserordentlichen Lage": Ich nenne sie meine "Schreibtisch-Quarantäne". Meine Abschlussarbeit ist der Grund dafür: Ein kleiner Passus im Matthäusevangelium (Mt 12,46-50) mit der Überschrift " Jesu wahre Familie" beschäftigt mich. Ehrlich gesagt, beisse ich mir ein wenig die Zähne daran aus. Aber Stopp: In der Quarantäne – nicht jammern, positiv nach vorne schauen. Das lässt der Astronaut Alexander Gerst in den social media verlauten. Er sollte Bescheid wissen, hat er doch All-Ein...

Alles was Odem hat

Alles, was Atem hat, lobe den Herrn . Hallelujah.  Psalm 150, 6 9330 Menschen tun das, Stand heute, nicht mehr. Allein in der Schweiz. Allein wegen Covid-19. Am Freitag jährte sich der erste Pandemie-Todesfall in unserem Land. Die Glocken läuteten. Manche hielten inne und sprachen ein Gebet. Ein trauriger Moment in einer nervösen Zeit. ,Atem' steht in vielen Sprachen und Religionen für das Leben selbst. Das Virus, das die Welt ,in Atem hält', nimmt den Menschen tatsächlich diesen. Es greift die Lungen an.  Der Gedanke, dass die Pandemie im gleichen Jahr erschien, als George Floyd mit den Worten 'I can't breathe' unter Polizeigewalt starb, berührt mich jedesmal, wenn er mir kommt. Es begann mit den Buschfeuern in Australien, das unzählige Lebewesen erstickte und Menschen hustend in Seen trieb, um dem gleichen Schicksal zu entgehen. In Brasilien brannten Wälder und Grasland mit viel klareren Ursachen. Und in Californien trieben Feuer und Wind Rauch und Asche tausende ...

Traummaschine

  Da sagte der Vater zu ihm: ›Mein lieber Junge, du bist immer bei mir. Und alles, was mir gehört, gehört auch dir. Aber jetzt müssen wir doch feiern und uns freuen. Lukas 15, 31f Vor Weihnachten. Anstehen mit Abstand. In der Freien Strasse lange Schlangen vor dem Louis Vuitton Shop, dem New Yorker und dem Apple Store. Wofür bin ich bereit, wie lange zu warten? Ich reihe mich in die Reihe vor den Fotoautomaten ein. Es stehen gleich mehrere Geräte nebeinander. Man lädt seine Bilder vom Handy oder einem Speichermedium auf den Bildschirm, wählt aus und startet die Bestellung. Und wartet. Im Minutentakt spuckt die Maschine die Bilder aus. Beschleunigen geht nicht. Ein Clique junger Frauen bringt sich selbst auf Weihnachtskarten. Bilder vom Strand und in Abendkleidung. Ein junger Mann war schon an einem Gerät, als ich kam. Und ist es auch noch, als ich gehe. Er scheint Vater geworden zu sein. Das neugeborene Wunder und seine Mutter in allen Varianten. Maria mit Kind 2.2. Wundern so...