Direkt zum Hauptbereich

Konvir-27 – eine Utopie


Zwei sind allemal besser dran als einer allein.  Kohelet 4, 9


Mai 2027. In den dünnbesiedelten Gebieten im Kongo stirbt eine junger Mann an einer unbekannten Krankheit. In den folgenden Wochen treten weitere Fälle auf, alle im ländlichen Herzen Afrikas. Es dauert lange, bis die Spitäler in den Zentren darauf aufmerksam werden und eine neue Krankheit erkennen. Und über ein Jahr, bis die Labore in den pharmazeutischen Konzernen des Westens ein neues Virus identifizieren und ihm einen medientauglichen Namen geben: Konvir-27. Konvir-27 scheint ausschliesslich isolierte Menschen zu befallen. Ob über Mücken oder Oberflächen oder über bestimmte Nahrungsmittel bleibt der Wissenschaft ein Rätsel. Tatsache ist, dass nur Menschen erkranken, die meist allein sind. Die Infizierten versinken in Apathie und scheinen still und schmerzlos zu verschwinden. Oft dauert es lange, bis man sie findet. Menschen, die in Partnerschaften, Familien, in Wohngemeinschaften oder Institutionen leben, betrifft es nicht.

Erst im Frühjahr 2029 ergreifen die ersten westlichen Staaten Massnahmen. Verordnet wird 'social including' auf allen Ebenen. Niemand soll länger als einen halben Tag allein sein, weder in der Wohnung noch bei der Arbeit noch in der Freizeit. Alle sollen zusammenrücken. 'Community building' wird allen Unternehmen ins Stammbuch geschrieben. Vereine, Sozialwerke und religiöse Gemeinschaften werden durch eine Mandatssteuer gefördert. Konsumtempel werden in öffentliche Räume transformiert. Medienunternehmen wetteifern darin, Inhalte zu produzieren, die nur gemeinsam genossen Spass machen. Autofahrten über 30 km dürfen nur noch zu zweit oder mehr unternommen werden. Sharing Plattformen boomen. Private Wohnzimmer werden zu Generationenquartierspieltreffs umfunktioniert. Die Scheidungsquote fällt tief und die Parship-Nutzung steigt umso höher. Bewohner grosser Häuser, die man bisher kaum zu Gesicht bekam oder nur mit dem Wagen die Tiefgarage verlassen sah, stellen Schilder auf die Strasse: Prächtiger Wohnraum sucht freundliche Bewohner*innen mit Lust auf Tischanschluss. Gerne auch ausländisch, arm, jung, mit Einschränkung etc. Die Zäune zwischen den Häusern werden entfernt. Im ÖV sitzt mehr niemand allein in einem Abteil. Noch bei Drittligaspielen ist das Stadion voll. Gottesdienste sind Happy Happenings.

Eine nationale Medienkampagne macht mit ein paar alten Sätzen aus der Bibel gross auf:
Zwei sind allemal besser dran als einer allein.
Wenn zwei zusammenarbeiten, bringen sie es eher zu etwas.

Wenn zwei unterwegs sind und hinfallen, dann helfen sie einander wieder auf die Beine.
Wenn zwei beieinander schlafen, können sie sich gegenseitig wärmen.
Ein einzelner Mensch kann leicht überwältigt werden, aber zwei wehren den Überfall ab.
Noch besser sind drei… (Prediger/Kohelet 4, 9-12)



Philipp Roth 


E-Church:

- für Kinder: heute, 11:00 Die abenteuerliche Geschichte von Josef 4/5

- für alle: heute, 18:30: Kirchenfenster mit stud. theol. Luca Roth & Nicoleta Paraschivescu

- So, 19.4., 10:00: ,Blick nach oben und sieh' - Gottesdienst aus der Dorfkirche Kleinhüningen, mit Francoise Matile, Emma Gautschi, Kathrin Knöpfli, Claudio Röthlisberger & Pfarrer Philipp Roth. Produktion. Rudolf Steiner.
Alle früheren ,Sendungen' sind auf dem Youtube-Kanal
zum Nach-Sehen eingestellt.

-> Die Gottesdienste können auch beim Sekretariat auf USB bezogen und auf dem TV geschaut werden. Ein Angebot für alle, die nicht Online sind: Senior*innen, Nachbarn, Eltern... Bitte mithelfen! 061 681 37 88 / eveline.michel@erk-bs.ch


Einander im Ohr: Mit unserer Playlist kann man hören, was andere dieser Tage hören. Und es hat noch Platz für weitere Stücke der Stunde. Durchgeben an philipp.roth@erk-bs.ch

Alle Infos, Kontaktdaten und Angebote der Kirchgemeinde immer aktualisiert hier.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

liedlos glücklich?

Tragt euch gegenseitig Psalmen und Hymnen und geistliche Lieder vor. Singt für den Herrn und preist ihn aus vollem Herzen !  Epheser 5, 19 Ich warte gerne mit einem Blog, bis sich die Gedanken etwas gesetzt und geklärt haben. Diesmal gelingt es nicht. Ab Pfingsten dürfen wir uns wieder in der Kirche zum Gottesdienst versammeln. Noch ist nicht entscheiden, wie das bei uns konkret aussehen wird. Noch ist auch nicht entschieden, ob das, was dann stattfinden kann, sich annähernd so anfühlen wird, wie das, was mal war. ,Der Weg zurück ist schwieriger als der Weg heraus,' ist bereits ein geflügeltes Wort. Und in unserem Fall ist das ,zurück' hauptsächlich örtlich zu verstehen. Von der E-Church geht es wieder in die Reality-Church. Darauf freue ich mich. Auf die analogen Begegnungen, das Grüssen, in die Augen schauen und ins Gesicht sagen. Einander gegenüberstehen und sich spüren. Und auf das direkte Miteinander in unseren schönen, erinnerungsgetränkten Gemeinschaftsräumen, man...

Die Gabe der Tränen

Weint mit den Weinenden.  Römer 12, 15 Gestern, Sonntagmorgen früh. Es dauert noch bis zum Gottesdienst-Stream. Ich freue mich darauf, mit anderen verbunden zu feiern. Und bin etwas kribblig, ob alles klappt. (Es klappt ! https://www.youtube.com/watch?v=5G9mbArxFzM ) Ich möchte mich nicht gleich mit News abfüllen und ziehe mir noch im Bett den Kopfhörer über und wähle Musik.  Die Idee, eine Gemeindeplaylist zu erstellen, geht mir durch den Kopf. Alle, die mögen, geben ein Lied durch, ein Musikstück, einen Song. Am besten verlinkt. Die Playlist wird online gestellt. Alle können in die Playlist schauen, sehen einen Namen verbunden mit Musik. Man wählt die Musik an und denkt besonders an diesen Menschen. Kleinbasel verbunden noch auf anderer Ebene. (Wer das gut findet, kann gerne mitmachen! Mail an philipp.roth@erk-bs.ch.) Ein musikalische Messe folgt der alten (katholischen) Liturgie. Sie durchschreitet die Höhen und Tiefen des Lebens, kommt an Freude (Gloria) und ...

Alles was Odem hat

Alles, was Atem hat, lobe den Herrn . Hallelujah.  Psalm 150, 6 9330 Menschen tun das, Stand heute, nicht mehr. Allein in der Schweiz. Allein wegen Covid-19. Am Freitag jährte sich der erste Pandemie-Todesfall in unserem Land. Die Glocken läuteten. Manche hielten inne und sprachen ein Gebet. Ein trauriger Moment in einer nervösen Zeit. ,Atem' steht in vielen Sprachen und Religionen für das Leben selbst. Das Virus, das die Welt ,in Atem hält', nimmt den Menschen tatsächlich diesen. Es greift die Lungen an.  Der Gedanke, dass die Pandemie im gleichen Jahr erschien, als George Floyd mit den Worten 'I can't breathe' unter Polizeigewalt starb, berührt mich jedesmal, wenn er mir kommt. Es begann mit den Buschfeuern in Australien, das unzählige Lebewesen erstickte und Menschen hustend in Seen trieb, um dem gleichen Schicksal zu entgehen. In Brasilien brannten Wälder und Grasland mit viel klareren Ursachen. Und in Californien trieben Feuer und Wind Rauch und Asche tausende ...