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Grenzerfahrung (Gastbeitrag Sabine Mäurer)



Sabine Mäurer sitzt gerade an ihrer Masterarbeit und ist Mitglied unserer Kirchgemeinde. Sie gestaltete ein ,Kirchenfenster'.


Und Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.  Genesis 1, 27

Ich fahre mit dem Velo durch Basels leergefegte Strassen und komme an geschlossene Grenzübergänge. Am Übergang Kleinhüningen – Friedlingen ist es so leer wie vielleicht an einem Sonntagmorgen um vier Uhr, nicht aber an einem Freitagabend.

Als Kind habe ich zumeist auf Ferienfahrten nach Italien Grenzkontrollen kennengelernt. Das  "Ciao bambini" des Zöllners verkündeten für mein Ohr viele Tage am Meer, in der Sonne und einige grosse "Gelati". Aufregender, angsteinflössend waren die Kontrollen an der Grenze zur DDR. Unheimlich. Oft unfreundlich. Wir Kinder mussten im Auto mucksmäuschenstill sein.

Als junge Erwachsene erlebte ich die zunehmende Öffnung der Grenzen. Ich durfte im Austauschprogramm studieren. Reisen, Begegnung über die Länder hinweg wurde einfach – zunehmend hat man die Ausweise und Pässe erst zu Hause liegenlassen, später vergessen. Dann kam Schengen. Kontinent-weite-Freiheit.

Und jetzt: Absperrbänder an den Deichen der Wiese, Gitter in Riehen und Kleinhüningen.  Geisterhafte Stille, bedrückend. Kein Weiterkommen. Ich beginne im Ansatz zu erahnen, wie es Flüchtlingen gehen muss, die vor Zäunen und Gittern stehen, nicht weiterkommen. Wovor grenzen wir uns ab, wen grenzen wir aus?

Unsere inneren Schranken bauen Grenzen: Eine Staatenunion zerfällt wieder in Nationalstaaten. Jeder denkt zuerst an sich: keine gegenseitige Unterstützung, Solidarität wird nur innerhalb der eigenen Landesgrenzen ausgerufen. Italien erfährt wochenlang keine medizinische Unterstützung. Erst als die Bedrohung im eigenen Land spürbarer wird, kommt Besinnung und Herz in den Umgang. Schranken im Kopf, Vorurteile, Hartherzigkeit, Abschottung, schmerzen mehr als Zollschranken.

Wir begrenzen uns selbst. Wir meinen etwas nicht zu können, vertrauen zu wenig in uns geschenkte Gaben und Fähigkeiten. Andere sind sportlicher, erfolgreicher, schöner, schlanker, klüger, reicher. Wir engen uns ein im Wettbewerb und im Vergleich. Unbekanntes, Fremdes macht Angst. Grenzenlos teilen? Wir verpassen, was uns bereichern kann. Ist Neugierde (in Grenzen?!) nicht eine gute Gier?

In dieser Zeit ist Geduld gefragt, wo wir ungeduldig darauf warten, wieder in "unseren Alltag" entlassen zu werden. Vor den Türen und Fenstern wird es Frühling. Wir wollen die Welt umarmen oder zumindest unsere Liebsten und müssen Distanz waren. Diese Zeit engt uns ein. Zeigt uns Grenzen. Und doch bringt sie das Beste in uns hervor: Das zeigen zahllose Freiwilligeneinsätze und viele gute Ideen, die Schwachen unserer Gesellschaft zu schützen. Wir sind also dazu aufgerufen, unsere Sonnenseite zu zeigen, uns zu öffnen. Wir haben das Zeug dazu. Ganz sicher.

Und Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. 

Sabine Mäurer


E-Church:
Der Wochentakt - Di, 18, Taizé-Gebet ¦ Mi, 17:30, THEODORli ¦ Do, 18:30, Kirchenfenster - gilt auch diese Woche. Und am kommenden Sonntag, 3. Mai, 10:00, feiern wir einen Gottesdienst für GROSS & klein ,Guet treit' aus der Theodorskirche.
Sämtliche bisherigen Gottesdienste, THEODORli, Taizé-Gebete, Kirchnefenster etc. finden sich auf unserem Youtube-Kanal der Kirchgemeinde Kleinbasel.

-> Die Gottesdienste können auch beim Sekretariat auf USB bezogen und auf dem TV geschaut werden. Ein Angebot für alle, die nicht Online sind: Senior*innen, Nachbarn, Eltern... Bitte mithelfen! 061 681 37 88 / eveline.michel@erk-bs.ch


Einander im Ohr: Mit unserer Playlist kann man hören, was andere dieser Tage hören. Und es hat noch Platz für weitere Stücke der Stunde. Durchgeben an philipp.roth@erk-bs.ch


Alle Infos, Kontaktdaten und Angebote der Kirchgemeinde immer aktuell hier.

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