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Flusstage

Er hat uns gerettet durch das Bad, aus dem wir neu geboren werden.    Titus 3, 5

Was wird alles sein wollen und müssen, wenn der Vorhang sich dann hebt? Man sieht die Abende mit Freunden, die Familientreffen, die Arbeiten und Projekte, die Einkaufstouren, die Ferienreisen, die Konzert- und Kino- und Stadionbesuche, die Sitzungen und Planungen, die vielen Wiedersehen von Menschen und Wiederaufnahmen von Tätigkeiten vor sich - und fragt sich, wie man diesen ,Stau' bewältigen wird. Muss alles ,nachgeholt' werden, was man ,verpasst' hat?  Will man das überhaupt? Soll es überhaupt wieder so werden, wie es war? Oder gibt es auch von dieser ,anderen Zeit' Dinge, die man mitnehmen will?

Bei mir stauen sich die Taufen. (Gut, ,stauen' ist etwas gar stark. Es gibt eine kleine Warteschlange...). Auf sie freue ich mich besonders wieder. Die unmittelbare und bedingunglose Zuwendung zum Leben, sichtbar gemacht mit Berührung, mit Zuspruch und mit der verbindlichen Nähe der kleinen und der grossen Familie, war mir immer lieb. ,So sagt: Ja!' ,Ja!' Positiver geht nicht.

Während das Wort erstaunlich corona-kompatibel ist (vgl. letzter Blog), sind es unsere beiden Sakramente - Abendmahl und Taufe - ganz und gar nicht. Das Abendmahl fällt dem Restaurationsverbot zum Opfer. Die Taufe dem Distanzgebot. Dabei wurde gerade in den letzten Wochen deutlich, wie verletzlich und wie schutz- und segensbedürftig das Leben ist.

Der Bauchnabel erinnert mich an meine Geburt aus meiner Mutter. Die Taufe erinnert mich an meine Geburt aus Gott. Das Abendmahl an meine immer wieder neue Geburt aus einer Gemeinschaft, die viel grösser ist als ich. In diesen Zeiten auf der Insel erlebe ich diese Schnittstellen besonders stark und tröstlich. Der Bundesrat sagt: Bleiben Sie zuhause! Die Sakramente: Sie bleiben verbunden!

Aus einer Bücherschrank gewordenen Telefonkabine fische ich einen Gedichtband von Werner Lutz. Gleich das erste Gedicht stösst mich auf die Taufe. Ich freue mich, wenn das wieder möglich ist.

Ich höre Rumi
den persischen Dichter sagen
wer beim Urvertrag
mit Wassser besprengt wurde
findet den Weg zum Meer


(aus: Werner Lutz, Flusstage. Amman Zürich 1992)

Philipp Roth


E-Church
:

Heute, Mittwoch, 17:30 THEODORli - eine kleine Feier für kleine Leute.
Morgen, Donnerstag, 18:30, Kirchenfenster aus der Dorfkirche Kleinhüningen, mit stud. theol. Silja Keller & Francoise Matile, Orgel. 

Sämtliche bisherigen Gottesdienste, THEODORli, Taizé-Gebete, Kirchnefenster etc. finden sich auf unserem Youtube-Kanal der Kirchgemeinde Kleinbasel.

-> Die Gottesdienste können auch beim Sekretariat auf USB bezogen und auf dem TV geschaut werden. Ein Angebot für alle, die nicht Online sind: Senior*innen, Nachbarn, Eltern... Bitte mithelfen! 061 681 37 88 / eveline.michel@erk-bs.ch


Einander im Ohr: Mit unserer Playlist kann man hören, was andere dieser Tage hören. Und es hat noch Platz für weitere Stücke der Stunde. Durchgeben an philipp.roth@erk-bs.ch

Alle Infos, Kontaktdaten und Angebote der Kirchgemeinde immer aktuell hier.



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