Jesus streckte die Hand aus und berührte ihn. Markus 1, 41
Anruf von Herr F. Seine Mutter verstarb in der Nacht zuvor. Nicht am Virus, sondern alt und lebenssatt. Doch sie starb im Spital. Und das Spital war dicht. ,Das schlimmste war, dass wir nicht mehr zu ihr konnten. Nicht mal, als sie verstorben war. Sie wird nun kremiert. Wir könne sie nicht mehr sehen. Würden Sie mit uns eine kleine Feier machen? Nur am Grab.'
Seit den verschärften Massnahmen sind nicht nur die Spitäler für Besucher*innen dicht. Auch die Aufbahrung auf dem Friedhof ist geschlossen. Die Kapelle - wegen des Versammlungsverbots - sowieso. Abschied gibt es nur noch am Grab.
Im TV ein kurzer Bericht aus einer Intensivstation im Tessin. Menschen wie auf dem Mond, in Schutzanzüge gehüllt. Patienten- und personalseits. ,Die Menschen haben keine Gesichter mehr,' sagt der Arzt. ,Sie sind nur noch Menschen, die wir zu retten suchen.' Durch ein kleines Fenster in der Tür sieht man einen Kranken im Bett. Mutterseelenallein. Er drückt mit Handschuhen auf dem Smartphone rum. Notleine virtuelle Nabelschnur. Es drückt einem das Herz ab.
Im indischen Kastensystem stehen die ,Unberührbaren' (Paria) zuunterst. In ihm vermischen sich gesellschaftliche Ordnung und religiöse Bewertung. Weil sie oft die niedrigsten Arbeiten verrichten, bleibt ihnen der Zugang zum Heiligen versperrt. Und umgekehrt. Zu den ,Unberührbaren' gehören die ,Dalit', Nachfahren der indischen Ureinwohner. Mahatma Gandhi wollte sie ehren, indem er ihnen einen neuen Namen gab: ,Harijan', Kinder Gottes. Die Dalit lehnten das ab. Sie wollte einfach Menschen sein. Gewöhnlich und gleichberechtigt.
Holbein (,Der Leichnam Christi im Grabe', bei uns im Kunstmuseum), Grünewald (Isenheimer Altar in Colmar), Cranach und die anderen Maler ihrer Zeit haben den sterbenden und toten Jesus wie einen Unberührbaren dargestellt. Absichtlich hässlich und abstossend. Man muss sich zwingen, ihn anzusehen, entstellt und über und über mit Wunden und Geschwüren übersät, wie er ist. Es würde einem nicht einfallen, ihn zu berühren. Jesus war für sie ganz zu den Untersten hinabgestiegen. Ganz nach der Beschreibung des ,Gottesknechts' im Buch Jesaja in der Bibel:
Er hatte keine Gestalt und keine Pracht, dass wir ihn angesehen hätten,
und sein Aussehen war nicht so, dass er uns gefallen hätte. Verachtet war er und von Menschen verlassen,
ein Mann der Schmerzen und mit Krankheit vertraut
und wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt,
ein Verachteter, und wir haben ihn nicht geachtet. Jesaja 53, 2-3
,Sie haben keine Familie mehr,' sagt eine Pflegefachfrau auf der Intensivstation über ihre isolierten Patienten. ,Wir tun alles, um jetzt ihre Familie zu sein.' Sie kommt aus Italien und geht nicht mehr nach Hause. ,Ich bleibe hier, bis hier wieder alles gut ist.'
Niemanden aufgeben. Die Verachteten besonders achten. Die Entheiligten heiligen. Und für die Unberührbaren ,berührbar' sein - jede Brücke bauen, die möglich ist. Darum geht es jetzt. Und darum ging es Jesus schon damals.
Ich erwarte den Anruf von Herrn F., damit er mir sagt, wann wir uns auf dem Friedhof treffen. Ich werde tun, was ich tun kann. In Christi Namen.
Philipp Roth
Lichtermeer: Heute um 20 Uhr ein Licht ins Fenster stellen und mitbeten! www.evref.ch/kerzen-vor-dem-fenster-eks-sbk/
Kinderkirche: Neu auf unserem Kanal! Das THEODORli von gestern ist aufgeschaltet. www.youtube.com/channel/UCAW8gzkA7BgOx9e7CiK23ig
Gottesdienst: Am kommenden Sonntag, 29. März, 10:00, für GROSS & klein als E-Church aus der Theodorskirche auf www.youtube.com/channel/UCAW8gzkA7BgOx9e7CiK23ig. 'Ich gseh öppis, wo du auch gsehsch'. Einschalten und mitfeiern!
Unsere Gemeindeplaylist hat erste Enträge (Blog ,Die Gabe der Tränen'). Eine Online-Liste folgt Ende Woche. Dein Song wird gerne entgegengenommen! philipp.roth@erk-bs.ch
Alle aktuellen Infos und Angebote der Kirchgemeinde www.erk-bs.ch/kg/kleinbasel/corona_information
Anruf von Herr F. Seine Mutter verstarb in der Nacht zuvor. Nicht am Virus, sondern alt und lebenssatt. Doch sie starb im Spital. Und das Spital war dicht. ,Das schlimmste war, dass wir nicht mehr zu ihr konnten. Nicht mal, als sie verstorben war. Sie wird nun kremiert. Wir könne sie nicht mehr sehen. Würden Sie mit uns eine kleine Feier machen? Nur am Grab.'
Seit den verschärften Massnahmen sind nicht nur die Spitäler für Besucher*innen dicht. Auch die Aufbahrung auf dem Friedhof ist geschlossen. Die Kapelle - wegen des Versammlungsverbots - sowieso. Abschied gibt es nur noch am Grab.
Im TV ein kurzer Bericht aus einer Intensivstation im Tessin. Menschen wie auf dem Mond, in Schutzanzüge gehüllt. Patienten- und personalseits. ,Die Menschen haben keine Gesichter mehr,' sagt der Arzt. ,Sie sind nur noch Menschen, die wir zu retten suchen.' Durch ein kleines Fenster in der Tür sieht man einen Kranken im Bett. Mutterseelenallein. Er drückt mit Handschuhen auf dem Smartphone rum. Notleine virtuelle Nabelschnur. Es drückt einem das Herz ab.
Im indischen Kastensystem stehen die ,Unberührbaren' (Paria) zuunterst. In ihm vermischen sich gesellschaftliche Ordnung und religiöse Bewertung. Weil sie oft die niedrigsten Arbeiten verrichten, bleibt ihnen der Zugang zum Heiligen versperrt. Und umgekehrt. Zu den ,Unberührbaren' gehören die ,Dalit', Nachfahren der indischen Ureinwohner. Mahatma Gandhi wollte sie ehren, indem er ihnen einen neuen Namen gab: ,Harijan', Kinder Gottes. Die Dalit lehnten das ab. Sie wollte einfach Menschen sein. Gewöhnlich und gleichberechtigt.
Holbein (,Der Leichnam Christi im Grabe', bei uns im Kunstmuseum), Grünewald (Isenheimer Altar in Colmar), Cranach und die anderen Maler ihrer Zeit haben den sterbenden und toten Jesus wie einen Unberührbaren dargestellt. Absichtlich hässlich und abstossend. Man muss sich zwingen, ihn anzusehen, entstellt und über und über mit Wunden und Geschwüren übersät, wie er ist. Es würde einem nicht einfallen, ihn zu berühren. Jesus war für sie ganz zu den Untersten hinabgestiegen. Ganz nach der Beschreibung des ,Gottesknechts' im Buch Jesaja in der Bibel:
Er hatte keine Gestalt und keine Pracht, dass wir ihn angesehen hätten,
und sein Aussehen war nicht so, dass er uns gefallen hätte. Verachtet war er und von Menschen verlassen,
ein Mann der Schmerzen und mit Krankheit vertraut
und wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt,
ein Verachteter, und wir haben ihn nicht geachtet. Jesaja 53, 2-3
,Sie haben keine Familie mehr,' sagt eine Pflegefachfrau auf der Intensivstation über ihre isolierten Patienten. ,Wir tun alles, um jetzt ihre Familie zu sein.' Sie kommt aus Italien und geht nicht mehr nach Hause. ,Ich bleibe hier, bis hier wieder alles gut ist.'
Niemanden aufgeben. Die Verachteten besonders achten. Die Entheiligten heiligen. Und für die Unberührbaren ,berührbar' sein - jede Brücke bauen, die möglich ist. Darum geht es jetzt. Und darum ging es Jesus schon damals.
Ich erwarte den Anruf von Herrn F., damit er mir sagt, wann wir uns auf dem Friedhof treffen. Ich werde tun, was ich tun kann. In Christi Namen.
Philipp Roth
Lichtermeer: Heute um 20 Uhr ein Licht ins Fenster stellen und mitbeten! www.evref.ch/kerzen-vor-dem-fenster-eks-sbk/
Kinderkirche: Neu auf unserem Kanal! Das THEODORli von gestern ist aufgeschaltet. www.youtube.com/channel/UCAW8gzkA7BgOx9e7CiK23ig
Gottesdienst: Am kommenden Sonntag, 29. März, 10:00, für GROSS & klein als E-Church aus der Theodorskirche auf www.youtube.com/channel/UCAW8gzkA7BgOx9e7CiK23ig. 'Ich gseh öppis, wo du auch gsehsch'. Einschalten und mitfeiern!
Unsere Gemeindeplaylist hat erste Enträge (Blog ,Die Gabe der Tränen'). Eine Online-Liste folgt Ende Woche. Dein Song wird gerne entgegengenommen! philipp.roth@erk-bs.ch
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