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Käfer im Weg



Weder er selbst hat Schuld auf sich geladen noch seine Eltern.  Johannes 9, 3

Ich blättere ihn meist zu spät um. Den Kalender mit Kindergedichten an der Wand hinter meinem PC. Auch vor einer Woche war das so. Der Bundesrat hatte gerade die ,ausserordentliche Lage' verkündet, als ich das Blatt umschlug - und wie vom Schlag getroffen war.  ,Blöt och yrvraken / staller sig en skalbagge / upp mitt på stigen,'  stand da auf schwedisch.

Durchnässt und verschlafen
stellt sich ein Käfer
uns in den Weg (Anders Holmer) 


Dazu ein Bild von Menschen, mit ihren Lamas in den Anden unterwegs,
gestoppt beim Aufstieg von einem kleinen schwarzen Fliegendreck auf den Pfad.


Heute meldet der Guardian, dass rund 20 % der Weltbevölkerung im Lockdown ist. Da gehören wir dazu. Und es wird nicht das Ende sein. Ein gewaltiger Käfer hat sich da, aus dem Nichts kommend, uns entgegen gestellt. Unseren persönlichen Wegen. Unserem nationalen Streben. Unserem globalen Wachstum. Und das Allerkleinste löst die allergrössten Fragen aus. Warum? Wozu? Wohin? Ist dieser Käfer schwarz? Oder weiss? Oder schillernd, wie viele in der Natur.

Im Biotop ,Warum?' tummeln sich bereits Horden von Verschwörungstheoretikern. Die sozialen Netzwerke jagen mit ihren bits-bytigen Schrotflinten selbst die abstrusesten davon in die hintersten Welt- und Hirnwinkel. Auch der alte fromme Verschwörungsdinosaurier namens ,Strafe Gottes' stapft bereits wieder frischvergnügt durch die brodelnde Ursuppe des Fanstastischen, als hätte es nie einen Meteoriteneinschlag namens 'Aufklärung' gegeben. 

Die Warum-Frage als eine moralische (oder moral-theologische) zu stellen, kann nur zu untauglichen Antworten führen. (Was jedoch nicht heisst, dass sie harmlos sind...). Kategorien werden durcheinander gebracht. Wir lesen nicht etwas aus dem, was geschieht, heraus, sondern schon längst Gedachtes in es hinein. (Wie oft hat Gott die Welt schon für Abtreibung oder Homosexualität oder Kommunimus andere Ursünden aus konservativ-patriarchaler Sicht gestraft. Auch akuell wieder bezeichnend, dass die Ursünde der Weltzerstörung, Gewalt an Frauen oder Menschenrechtsmissachtung nicht vorkommt.) Schon jetzt weiss man viel davon, wie es soweit kommen konnte. Die Antworten enthalten Begriffe wie ,Fischmarkt', ,Hygiene', ,Verkehrsströme', ,Sozialverhalten'. Und sie werden noch viel mehr und Präziseres zu Tage fördern. Man wird daraus lernen können und lernen müssen.

Die persönliche, die moralische und theologische Frage aber lautet: Wozu stellt sich dieser Käfer uns in den Weg? Diese Frage zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich nicht von mir trennen lässt. Und dass ihre Antwort noch nicht feststeht. Die Frage zielt nicht auf Auflösung (eines Rätsels) sondern auf Aufbruch (in ein neues Leben, eine andere Welt). Ich selbst bin Teil der Antwort, weil ich mich von dem, was geschieht, berühren und bewegen und verändern lasse. Wir alle werden nicht mehr diesselben sein, wenn wir darauf zurück blicken werden. Doch in welcher Art und Weise das der Fall sein wird, das hängt an mir und uns allen. 

Sinn gibt es nicht an sich. Sinn gibt es nur persönlich, gemeinschaftlich, existentiell. Wir gewinnen dem, was wir durchmachen, etwas ab, was uns weiterbringt. Und ich glaube, dabei hilft uns Gott.

Wozu stellt sich uns dieser Käfer in den Weg?
Damit wir ihn beseitigen und unseren Weg unbeirrt fortsetzen?
Oder damit wir andere Wege wählen?


Jesus antwortete: Weder er selbst hat Schuld auf sich geladen noch seine Eltern.
Er ist nur deshalb blind, damit das Handeln Gottes an ihm sichtbar wird.
Wir müssen die Taten vollbringen, mit denen Gott mich beauftragt hat, solange es noch Tag ist.
Johannes 9, 3-4


Gute Gedanken in einem grossen Frieden!

Philipp Roth

Unsere Gemeindeplaylist hat erste Enträge (Blog gestern). Eine Liste folgt Ende Woche. Dein Song wird gerne entgegengenommen! philipp.roth@erk-bs.ch 
 
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