Direkt zum Hauptbereich

Allein im Paradies


Diese Bewegungsarmut. Man freut sich an jedem Gang vors Haus. Und gönnt man sich mal eine Blockrunde, hat man gleich ein schlechtes Gewissen, dass man andere damit rauszieht, die besser zuhause blieben. Habt Ihr einen Hometrainer? Macht Ihr Treppenläufe? Sofajumping? Wie macht Ihr das?


Wir haben das Glück, hinten eine Hausbreit Garten zu haben. Ein privater Rasenfleck. Die Möglichkeit, outdoor zu gehen, und dabei zuhause zu bleiben. Wie das für die sein mag, die nur einen Balkon haben. Oder nicht mal das?

,Weisst Du was,' sagten wir kürzlich zueinander. ,Wir könnten unseren Garten zu unserem Kreuzgang erklären.' Der abgeschiedene Aussenort, in dem wir uns und unsere Gedanken bewegen. Dabei sah ich die wunderbaren Kreuzgänge vor mir, die ich schon betreten durfte. Mont Saint-Michel, Fontenay, Lavaudieu... Oasen mitten im Geschlossenen. In der Mitte ein tiefer Brunnen. Oben ein wietes Himmelsfenster. Und ich sah uns in unserem Garten wandeln und eine Spur ziehen wie der Panther bei Rilke im Käfig.

Der ,Hortus conclusus' - geschlossene Garten - stand einst für das Paradies. Es erinnerte an den Urzustand. Und an den Sehnsuchtstraum. Man konnte dort tun und lassen, sein und denken, was man wollte. Und alles war gut.

Etwas aber ist ganz und gar nicht gut in diesem kleinen Paradies. Dass man allein ist. Und allein bleiben muss.

Gerne erinnere ich mich an unseren Gottesdienst für GROSS & klein in der Theodorskirche im Januar: ,Im Härz vom Paradies'. In der Mitte der Kirche stand ein stattlicher Olivenbaum. Wir waren Gemeinde im Kreis um ihn. Und tanzten am Schluss. Gross und Klein.

Letzte Woche schickte mir eine Mutter die Zeichnung, die ihre Tochter damals gemacht hat. Ihr seht sie oben. Ein wunderschönes Bild. Farbenpracht und Schöpfungsharmonie. In der Betreffzeile stand: Das vereinsamte Paradies. (Danke für Bild und Gedanken!)


Ich glaube, die Vertreibung von Eva und Adam war nicht nur eine Strafe. Ich freue mich jedenfalls darauf, aus unserem Paradies vertrieben zu werden  - und wieder mit anderen zusammen sein zu können. Vielleicht um den Baum in der Kirche....

Philipp Roth

Bereits heute gibt's Kinderkirche THEODORli. Um 17:30. Auf https://www.youtube.com/channel/UCAW8gzkA7BgOx9e7CiK23i. Ufruume.  Einschalten und Kerze bereithalten😉

Und am kommenden Sonntag, 29. März, 10:00, feiern wir Gottesdienst für GROSS & klein als E-Church aus der Theodorskirche auf dem gleichen Kanal. 'Ich gseh öppis, wo du auch gsehsch'.
Ich freue mich darauf!

Unsere Gemeindeplaylist hat erste Enträge (Blog vorgestern). Eine Online-Liste folgt Ende Woche. Dein Song wird gerne entgegengenommen! philipp.roth@erk-bs.ch 

Alle aktuellen Infos und Angebote der Kirchgemeinde www.erk-bs.ch/kg/kleinbasel/corona_information







 

 


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Familie in Zeiten der Quarantäne (Gastbeitrag Sabine Mäurer)

Sabine Mäurer sitzt gerade an ihrer Masterarbeit in Theologie über eine Jesusgeschichte, die auch die Familie thematisiert. Sabine Mäurer ist Mitglied unserer Kirchgemeinde. E r zeigte mit seiner Hand auf seine Jünger und sagte: Das sind meine Mutter und meine Brüder (und meine Schwestern). Matthäus 12, 49 Was mich in diesen Tagen beschäftigt? Schon vier Wochen bevor der Bundesrat die "ausserordentliche Lage" verordnet hat, befinde ich mich in einer "persönlich ausserordentlichen Lage": Ich nenne sie meine "Schreibtisch-Quarantäne". Meine Abschlussarbeit ist der Grund dafür: Ein kleiner Passus im Matthäusevangelium (Mt 12,46-50) mit der Überschrift " Jesu wahre Familie" beschäftigt mich. Ehrlich gesagt, beisse ich mir ein wenig die Zähne daran aus. Aber Stopp: In der Quarantäne – nicht jammern, positiv nach vorne schauen. Das lässt der Astronaut Alexander Gerst in den social media verlauten. Er sollte Bescheid wissen, hat er doch All-Ein...

Badehosenzeit

Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!  1.Korinther 11, 23 Ich kann gut damit leben, dass es in diesem Jahr keine Strandferien gibt. Meine Sache war die Fleischschau nie. Doch was erlaubt mehr, einfach mal Körper zu sein? Ich habe das Bild vor Augen, wie die Briten den Strand von Brighton stürmten. Strandsardinen statt social distancing. ,Als hätte es Corona nie gegeben,’ titeln die Zeitungen. Ich denke: ,Als hätte Corona alle ausgehungert.’ Man muss einander mal wieder spüren. Man muss sich mal wieder spüren. Wir sind nicht virtuell. Sommerferien sind Körperferien. Mit den Konfirmand*innen 21 besuchen wir den Seilpark in Lörrach. Turnen, Klettern, Lachen, Kreischen. Menschsein mit Haut und Haar. Am Tag darauf sitzen wir vor dem Isenheimer Altar in Colmar. Der Gekreuzigte als reiner Körper – totes Fleisch, drastisch zur Schau gestellt. Links des Toten verzweifeln Maria, Johannes und Maria Magdalena. Rechts zeigt der lange Finger Johannes’ des Täufers a...

Das Jahr magischen Denkens

Und Jesus fragte die Jünger : »Warum habt ihr solche Angst? Wo ist euer Glaube ?« Markus 4, 40 Am 25. Dezember 2003 wird Quintana Roo Dunne Michael auf die Intensivstation eines New Yorker Krankenhauses eingeliefert. Die Symptome einer Grippe weiten sich rasch zu einer Lungenentzündung und einem septischen Schock aus. Die Eltern bangen um ihr Leben. Am 30. Dezember 2003, kaum vom Besuch im Spital zurück, erleidet der Vater von Quintana einen Herzinfarkt und stirbt.  Zwei Jahre später erscheint 'Das Jahr magischen Denkens' (The Year of Magical Thinking). Darin beschreibt die bereits in den 70-er Jahren durch ihre Essays bekannt gewordene Schrifststellerin Joan Didion die Trauer um ihren Mann und die Sorge um ihre Tochter. Die leere Wohnung nach 40 Jahren gemeinsamen Lebens, die endlosen Gedankenketten und Achterbahnfahrten des Gefühls, sie verdichten sich  immer wieder zur Einbildung, sie hätte ihren Mann retten können und müssen. Indem sie alles so belässt, dass für den Tot...