Gebt aber Acht! Die Freiheit, die ihr in Anspruch nehmt, darf die Schwachen nicht zu Fall bringen! 1. Korinther 8, 9
Die Mitteilung sagt nur, was man nicht darf.
Und was man möglicherweise auch nachher noch nicht darf.
Auch wenn die Schule wieder ruft und die Detaillisten und Restaurants ihre Türen öffnen und Tische decken, gilt für die Kirche weiterhin das Versammlungsverbot. Keine Gottesdienste in der Kirche. Keine Mittagstische, Seniorentreffen, Alltagscafé, Ma'an, TheoBar. Keine Kinderkirche, Kirchenchor, Taizésingen. Auch kein Konfirmandenunterricht.
Und auch für eine nächste Phase, sagt die Mitteilung, ist es möglich, dass man nur sehr eingeschränkt zusammenkommen kann. Mit Abstand. Ohne Handschlag, Friedensgruss, Abendmahl. Vielleicht auch ohne Singen, ohne Verletzliche und Angeschlagene. Mit Personenregistrierung und Gemeindeobergrenze.
Partialgemeinde? Rumpfkirche? Schrumpfgottesdienst? Ich frage mich, ob ich das möchte.
In Korinth mahnte Paulus eine Zweiklassengesellschaft an. Die Einheit in Gott steht gegen ein Auseinanderdivideieren von Starken und Schwachen. (1. Kor. 8)
Unsere E-Church wurde aus der Not geboren. Und zeichnet sich seither dadurch aus, dass sie eine ,schwellenlose' Kirche ist. Man muss nicht zeitig aufstehen. Keinen Weg zurücklegen. Keine Vorurteile im Kopf oder Erinnerungen im Körper überwinden. Keinen Dresscode und Verhaltenskodex einhalten. Sich nicht anderen Blicken aussetzen.
Man kann so teilnehmen wie man ist, wann man will, von wo man will und mit denen auf dem Sofa (oder per WhatsApp verbunden), die man sich aussucht.
(Natürlich gilt das nur, wenn man mal ,drin' ist. Menschen, die nicht online sind, stehen vor einer unüberwindebaren Schwelle!)
Scheinintimität? Pseudogottesdienst? Ich erfahre, dass echt gesungen, gebetet, gehört, gefragt, bedacht und geglaubt wird. Und manchmal am Familientisch diskutiert wird. Reformiertes ,selber denken' konkret. Gewiss: Körper-, sozialkörperlos.
Für mich ist Kirche ein Kind der Freiheit. Der Gottesdienst verkörpert das. Hier kann ich in einem Raum, der eigens dafür aus der Stadt geschnitten ist, und der keinen andern Zweck kennt als den, in der Gegenwart ,des ganz Anderen' zu sein - hier kann ich in diesem Raum frei mich selbst sein. Mit allen Fragen und Wunden. Mit allen Freuden und Wünschen.
In Gemeinschaft mit anderen kann ich das. Sie sind ebenso frei hier. Nicht von mir ausgesucht.
Von aussen betrachtet närrische Dinge tut man hier. Singen. Beten. Träumen. Glauben, Hoffen, Lieben. Sich der Schönheit und Stille und dem Spiel der Gedanken hingeben. Sich von einem Buch von vorvorgestern was sagen lassen. Mit Miniportionen - Brot, Wein, Wasser - das grosse Ganze feiern. In maximaler Ungleichheit maximal gleich sein. Dem Tod ins Gesicht lachen...
In der E-Church hat dieses Kind der Freiheit einen ,Maxi-Cosi' gefunden. Ein Platzhalter. Kein Ersatz. Doch soll dieses bereits in sein Bett zurückkrebsen, wenn dieses noch mehr nach Einschränkungen als Freiheit riecht?
Philipp Roth
E-Church:
Morgen So, 10. Mai, 10:00, ,We shall overcome', Gottesdienst aus der Dorfkirche Kleinhüningen mit den theol. Praktikanten Joshua Nickelson & Mike Koch.
Nächste Woche weiterhin Taizé-Gebet (Di, 18:00), THEODORli (Mi, 17:30), Kirchenfenster (Do,18:30).
Sowie ein UMSTEIGEN online am Mittwoch, 18:00!
Sämtliche bisherigen Gottesdienste, THEODORli, Taizé-Gebete, Kirchenfenster etc. finden sich auf unserem Youtube-Kanal der Kirchgemeinde Kleinbasel.
-> Die Gottesdienste können auch beim Sekretariat auf USB bezogen und auf dem TV geschaut werden. Ein Angebot für alle, die nicht Online sind: Senior*innen, Nachbarn, Eltern... Bitte mithelfen! 061 681 37 88 / eveline.michel@erk-bs.ch
Einander im Ohr: Mit unserer Playlist kann man hören, was andere dieser Tage hören. Und es hat noch Platz für weitere Stücke der Stunde. Durchgeben an philipp.roth@erk-bs.ch
Alle Infos, Kontaktdaten und Angebote der Kirchgemeinde immer aktuell hier.

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