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Eisheilige

Darum sollt ihr heilig sein, denn ich bin heilig. Ex/2. Mose 11, 45

Kühle Tage. Regnerisch. Die leere Kirche wirkt bedrückt. Fehlen ihr die Menschen?
Bischofskonferenz und Evangelische Kirche Schweiz drängen beim Bund auf eine Wiederaufnahme des ,Kultes' noch vor dem 8. Juni. Nach Karfreitag und Ostern sollen nicht auch noch Auffahrt und Pfingsten ohne Gottesdienste bleiben. Die NZZ doppelt in einem Kommentar nach.


Nun - ohne Gottesdienste waren schon Karfreitag und Ostern nicht. Jedenfalls nicht bei uns. Nur versammelte sich die Gemeinde nicht vor Ort. Es schmerzt mich, wenn man sagt, wir seien ohne Gottesdienste. Weil man das negiert, was ist. Vielleicht vorsätzlich: ,Das gilt doch nicht!'
 

Reformierte Gottesdienste brauchen keine geweihten Orte. Ihr Altar heisst einfach Tisch (Abendmahlstisch). Geweiht sind und werden die Menschen, wenn sie sich selbst in die Gegenwart Gottes stellen. Junge Gemeinden beginnen oft in einem Keller oder einem Schulzimmer. Und in manchen totalitären Staaten bleiben sie auch da. Youtube ist unser Covid-19-Keller. Ein Schulzimmer, in dem man Gemeinde wird - und erst noch manches zusätzlich lernt.

Zur Aufnahme des Gemeindegesangs für den kommenden Sonntag kommt eine kleine Gruppe in der kühlen Kirche zusammen. Wir stellen uns in einem weiten Kreis um die Technik. Es ist schön, sich ins Gesicht zu schauen. Zu lachen. Zu spüren, wie es einander geht. Wir bewegen den Köper im Raum. Lassen den Blick in die Höhe und Weite schweifen. Füllen die Lungen mit Halleluja. 

Mir fehlen die Menschen. Die Begegnungen. Mir fehlt, was geschieht, wenn Menschen sich begegnen und gemeinsam an einem Ort so unsinnig verrückte Dinge tun wie singen, beten, schweigen - weit hinaus hören / weit hinein hören - Gott glauben. Es schafft etwas an mir, in mir. Mein Seelenwetter heitert auf. Die Verbundenheit geht eine Ebene tiefer. Und eine höher. Nicht nur ist das Ich mit dem Du verbunden, sondern eine Verbundenheit mit allen und allem wird spürbar. Und eine Verbundenheit mit dem weit über uns allen.
 

Zum Singen ist eine ganze Familie gekommen. Mama von Zuhause. Kinder aus der Schule. Wir singen ein Lied, das alle kennen. Die Kirche wirkt keine Spur mehr bedrückt.
 

Mit den ,Eisheiligen' hat man einst eine Anzahl Heiligengedenktage mit den letzten Frostnächten verbunden. Nach den Wetterkopfständen der vergangenen Jahre fühlen sich die Eisheiligen fast retro an. Tröstliche Nostalgie. Sich begegnend und singend in der Kirche schmilzt den Eisheiligen das Eis weg. Bleiben die Heiligen, die wir sind - nicht weil wir heilig leben, sondern weil wir geheiligt werden. 


Philipp Roth

E-Church

Sonntag, 10:00, ,unverschämt erbittlich' - Gottesdienst aus dr Theodorskirche mit stud. theol. Mike Koch, Pfr. Philipp Roth u.a.


Sämtliche bisherigen Gottesdienste, THEODORli, Taizé-Gebete, Kirchenfenster etc. finden sich auf unserem Youtube-Kanal der Kirchgemeinde Kleinbasel.

-> Die Gottesdienste können auch beim Sekretariat auf USB bezogen und auf dem TV geschaut werden. Ein Angebot für alle, die nicht Online sind: Senior*innen, Nachbarn, Eltern... Bitte mithelfen! 061 681 37 88 / eveline.michel@erk-bs.ch


Einander im Ohr: Mit unserer Playlist kann man hören, was andere dieser Tage hören. Und es hat noch Platz für weitere Stücke der Stunde. Durchgeben an philipp.roth@erk-bs.ch


Alle Infos, Kontaktdaten und Angebote der Kirchgemeinde immer aktuell hier.

Kommentare

  1. für uns ganz klar: so viel, wie wir jetzt virtuell in der Kirche waren, waren wir vorher nie dabei. es ist eine Notlösung, aber auch eine ganz tolle Chance, dass der Glaube zu uns nach Hause kommt, wo er zwar sonst auch ist, aber gern einmal im Alltag die Zeit fehlt, weil alle ihre Aktivitäten haben und irgendwie war dann kein Zeitfenster mehr frei... wir singen mit dem Computer mit, sonst singen wir zuhause meist nur in der Adventszeit so richtig miteinander, oder in den Ferien. Zu wissen, dass andere gleichzeitig mit mir Gottesdienst schauen: für mich ist das auch Nähe! schon immer haben wir mit Familienmitgliedern weit weg Kontakt über Briefe, Telefon, Skype, Mails, Chats gehalten: auch das ist Nähe, manchmal mehr als ein erzwungener Besuch.

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